Lerntypen gibt es nicht. Bildungsforscher gibt Tipps für die Praxis

Gemeinsame Pressemeldung von VNN und Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung, Eberhard Karls Universität Tübingen

Der 8. Dezember ist der Tag der Bildung. Ein guter Anlass, einen Blick in die Bildungsforschung zu werfen: Was ist eigentlich wissenschaftlich belegt, was nur ein Bildungsmythos?

Die eine lernt besser visuell, der andere beim Zuhören? Die Annahme, dass es bestimmte Lerntypen gebe, also dass sich Lernende danach kategorisieren lassen, ob sie beispielsweise visuell oder auditiv am besten lernen, ist noch immer weit verbreitet. So glaubt weltweit ein großer Anteil der Lehrerinnen und Lehrer an Lerntypen, ein Befund, der sich in internationalen Studien immer wieder zeigt. Die Annahme von Lerntypen ist allerdings wissenschaftlich nicht haltbar.

So zeigen zahlreiche Studien, dass die Matching-Hypothese empirisch nicht trägt, das heißt, dass es keine lernförderlichen Effekte hat, Unterricht an vermeintliche Lerntypen anzupassen. Somit lässt sich die Annahme von Lerntypen in dieser Form eher als Mythos bezeichnen, der sich aber trotz der deutlichen empirischen Befundlage hartnäckig hält – auch in der praktischen Arbeit.

Lernen ist komplex

Lerntypen erscheinen als einleuchtende und leicht nachvollziehbare Erklärung für effektives Lernen und bieten eine einfache Lösung für Personen, die ihr Lernen verbessern möchten. Lehrerinnen und Lehrer, die sich Gedanken dazu machen, wie sie ihren Unterricht an die Lernenden anpassen können, verfolgen sicherlich stets positive Ziele. „Doch so einfach ist effektives Lehren und Lernen leider nicht erklärt“, sagt Dr. Tim Fütterer, Postdoktorand am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen. Als Bildungsforscher beschäftigt er sich unter anderem mit der Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern und führt beispielsweise ab dem Frühjahr 2026 KI-basierte Interventionen durch, um zu untersuchen, wie Überzeugungen von Lehrerinnen und Lehrern über Bildungsmythen effektiv entgegengewirkt werden können.

Wie lernen wir stattdessen?

Fütterer warnt davor, Schulkinder in Lerntypen-Schubladen zu kategorisieren. Stattdessen sollte Lernenden grundsätzlich ermöglicht werden, mit unterschiedlichen Repräsentationen von Lerninhalten zu lernen. Es hat sich auch neurowissenschaftlich gezeigt, dass multisensorisches Lernen, also mehrere Sinneskanäle gleichzeitig anzusprechen, dabei hilft, sich Dinge besser zu merken. Patrick Nadler, Vorsitzender des VNN Bundesverbands Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e. V., konkretisiert dies anhand eines Beispiels aus der Praxis: „Ein Grundschulkind, das ein Wort nicht nur liest, sondern es auch hört, wenn Lehrerinnen und Lehrer oder Eltern es vorlesen und vielleicht zusätzlich eine Abbildung dazu sieht, lernt multisensorisch. Zusätzlich können auch Gesten oder Mimik, die das Wort veranschaulichen, das Lernen erleichtern.“

Tipps: Was bedeutet das für die Praxis?

Infobox: Wie wir Bildungsmythen entgegenwirken können

Bildungsmythen sind weitverbreitete Fehlkonzepte zum Lehren und Lernen, die im Widerspruch zu den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen – aber in der Praxis trotzdem angewendet werden. Doch wie kann man ihnen entgegenwirken und vorbeugend agieren?

4 Tipps, um Bildungsmythen entgegenzuwirken

Pressekontakt Universität Tübingen:

Rebecca Beiter-Sander

presse@lead.uni-tuebingen.de

Pressekontakt VNN:

Dr. Marion Steinbach

m.steinbach@nachhilfeschulen.org

Wissenschaftliche Quellen:

De Bruyckere et al., 2015

Asberger et al., 2022

Tipps zur Vertiefung: